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Leo
Kees

IMAGINE: EUROPE   2027/28

Entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus / D’haus

 

 

How to Be European???

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Europa als kollektive Vorstellung, als Gefühl der Zugehörigkeit, ist vielleicht eines der größten und fragilsten politischen Kunstwerke der westlichen Moderne. Ein Raum sich überlagernder Identitäten, der sich über Jahrhunderte systematisch selbst zerstört hat – und irgendwann dennoch beschloss, eine Form des Zusammenlebens zu erfinden, die stärker ist als Kriege, Grenzen und Träume von imperialer Ordnung.

Ich stamme aus einer Familie europäischer Auswanderer, die vor Kriegen, Gewalt und Hunger fliehen mussten. Einige Generationen später komme ich selbst als Ausländer hierher, um in Europa Kunst zu studieren. Allein diese biografische Schleife erscheint mir zugleich absurd, poetisch und politisch.

Mit dieser Produktion versuche ich nicht, Europa zu erklären. Ich versuche zu verstehen, was dieses Konstrukt emotional eigentlich bedeutet. Was heißt es heute, „europäisch“ zu sein? Wer soll sich diesem Club zugehörig fühlen, und welche Rolle spielt dabei die Kolonialgeschichte?

IMAGINE: EUROPE ist deshalb kein identitätspolitisches Statement. Es ist der Versuch, durch Bilder, Sprache, Archivmaterial aus Museen, Musik, Interviews und Bewegung ein Gefühl der Zugehörigkeit zu erkunden.

Vielleicht ist emotionale Verbundenheit das Herz des europäischen Projekts. Vielleicht ist eine transnationale Identität eine wesentliche Überlebensstrategie. Und vielleicht ist es eine tägliche Handlung, sich als europäisch zu verstehen. Eine Übung darin, immer wieder neu zu entdecken, warum Solidarität so viel stärker sein kann als Spaltung.

Die europäische Geschichte hat uns schmerzhaft genug gezeigt, was geschieht, wenn nationale Identitäten sich verhärten und Gesellschaften beginnen, die Welt in „wir“ und „die anderen“ aufzuteilen.

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WAS:

IMAGINE: EUROPE ist eine mehrsprachige Physical Lecture Performance. Das Publikum erlebt eine Mischung aus Musik, Tonaufnahmen und live gesprochenen Texten – unter anderem auf Deutsch, Spanisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und Portugiesisch. Poetisch, faktenbezogen und mit Humor erkundet die Arbeit, was europäische Identität auf emotionaler Ebene bedeuten könnte.

Im Zentrum steht ein Körper in ständiger Bewegung, der zwischen choreografischer Präzision und inszenierter sprachlicher Überforderung oszilliert. Eine Videoszenografie aus Text und Kalligrafie erweitert den Bühnenraum: Text wird zu Bewegung, Übersetzung wird zu Bild, und das Lesen wird selbst Teil der Performance. Dadurch erlebt jede Person im Publikum das Stück anders – je nachdem, welche Sprachen sie hört, liest, versteht oder einfach körperlich wahrnimmt.

Die große künstlerische Herausforderung besteht darin, eine Arbeit zu schaffen, die in vielen europäischen Sprachräumen nahezu unverändert aufgeführt werden kann: EINE SHOW IN ALLEN SPRACHEN. Eine Performance, die Menschen über Grenzen hinweg berühren, inspirieren und miteinander verbinden soll.

 

FÜR WEN:

Das Stück richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene. Es sucht Zugänglichkeit nicht durch Vereinfachung, sondern durch Transparenz, Metaphern, Tempo, Mut und sinnliche Klarheit. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich politische und historische Themen so inszenieren lassen, dass Menschen darin ihre eigenen Erfahrungen wiedererkennen können. Die Frage nach dem europäischen Zusammenhalt wird die nächste Generation tiefgreifend prägen – kulturell, emotional, wirtschaftlich und politisch.

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WIE:

IMAGINE: EUROPE entsteht in einem sechsmonatigen Laborprozess in Zusammenarbeit mit einem Team aus Kunst und Forschung. Zum Netzwerk der Partnerinstitutionen gehören unter anderem das Düsseldorfer Schauspielhaus und mehrere Museen in Nordrhein-Westfalen. Dieser Prozess ermöglicht es, Recherche, Entwicklung und Proben so weit zu vertiefen, dass Inhalt, Sprache, Timing, Bewegung und Rhythmus eine eigene Form der Virtuosität erreichen können.

Mich interessiert eine performative Sprache, die Fachleute ernst nimmt, ohne Menschen auszuschließen, die selten ins Theater gehen. Technologie, Humor, unerwartete Wendungen und Absurdität spielen dabei – wie in vielen meiner Arbeiten – eine zentrale Rolle: nicht als bloße Unterhaltung, sondern als Mittel für Komplexität, Zugänglichkeit und ästhetische Stimmigkeit.

 

WO:

Meine bisherigen Produktionen entstanden in NRW und tourten anschließend international durch mehr als zwanzig Länder – von Japan bis Mexiko, von Deutschland bis Indien. Dieses Projekt verfolgt ein doppeltes Ziel: einerseits die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern zu vertiefen, andererseits eine umfangreiche, nachhaltige Tournee mit der Bahn als integralen Bestandteil der Produktion zu entwickeln. Unterschiedliche kulturelle Infrastrukturen – in Großstädten ebenso wie in kleineren Gemeinden – sollen aktiv einbezogen werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Aufbau neuer Partnerschaften und langfristiger Zusammenarbeit.


WANN:

Die Premiere ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant. Die Zusammenarbeit mit Koproduktionspartnern hat bereits begonnen. Die anschließende umfangreiche, nachhaltige Tournee ist ab Anfang 2028 vorgesehen.

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WARUM?

Geschichte wird in Büchern und Archiven eingeordnet und ist zugleich in unseren gelebten Erfahrungen, unserem Nervensystem, unseren Ängsten und Wünschen spürbar. Aber was geschieht mit Geschichte, wenn sie nicht mehr unmittelbar erfahren, sondern nur noch in der Schule behandelt oder aus ihrem Zusammenhang gerissen in sozialen Medien vermittelt wird? Heute wächst eine Generation heran, die keine eigene Erinnerung an die historischen Beweggründe für die Idee einer europäischen Identität hat.

Eine Generation, für die der Kalte Krieg, der Prager Frühling, der Griechische Bürgerkrieg, der Zerfall Jugoslawiens oder der Fall der Berliner Mauer „Begriffe“ sind und keine gelebten Erfahrungen.

Für Menschen mit Migrationserfahrung wie mich ist diese emotionale Distanz zur europäischen Geschichte noch größer. Gleichzeitig bringen wir unmittelbare Erfahrungen mit Diktaturen, Bürgerkriegen, Vertreibung und den bis heute wirksamen Folgen des Kolonialismus außerhalb Europas mit. Wir kommen mit anderen Erinnerungen und anderen Vorstellungen davon, wie Vergangenheit und Gegenwart, Europa und der Rest der Welt miteinander verbunden sind.

Deshalb interessiert mich die Frage, wie Geschichte sinnlich und emotional erfahrbar werden kann. Mit künstlerischen Mitteln möchte ich untersuchen, was es bedeuten könnte, verantwortungsvoll mit der Vergangenheit umzugehen und Europa zugleich als gemeinsame Vision zu verstehen. Als Versuch, eine Zukunft aktiv zu gestalten, die die Gewalt und Spaltungen ihrer Vergangenheit überwinden will. Als Herausforderung. Als große TO-DO-Liste, auf der unser aller Namen stehen.​

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TEAM

 

Leo Kees – Performance, künstlerische Leitung

Leo Kees ist ein interdisziplinärer Künstler an der Schnittstelle von Performance, bildender Kunst und digitalen Medien. Zwischen 2010 und 2025 entwickelte er Arbeiten, die philosophische und gesellschaftspolitische Fragen in performative Formate für ein vielfältiges Publikum über Altersgruppen, Sprachen und kulturelle Kontexte hinweg übersetzten. Seine Produktionen tourten durch mehr als zwanzig Länder – häufig in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut – und waren unter anderem im Sydney Opera House, bei Sadler’s Wells in London, am Schauspiel Frankfurt, am Tanzhaus Zürich, beim Theatertreffen NRW, beim Edinburgh Festival Fringe, beim Festival Augenblick mal! in Berlin und beim New Zealand International Festival zu sehen. Seine künstlerische Praxis untersucht, wie gesellschaftliche Systeme erlernt und verkörpert werden und was es braucht, um normative Verhaltensmuster zu überwinden und alternative rationale, emotionale und somatische Formen des Seins zu entdecken.

 

Julia Dina Heße – Projektdramaturgie

Julia Dina Heße ist Dramaturgin, Regisseurin und Wissenschaftlerin. Mit Leo Kees arbeitete sie bereits an Produktionen wie Das Unsichtbare Haus am Stadttheater Münster, ausgezeichnet mit dem WESTWIND-Preis 2016, sowie The Strangers, einem Projekt in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Südkorea, Japan, den Philippinen, Malaysia und Myanmar. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der ASSITEJ Deutschland und Mitglied des Vorstands der ASSITEJ International. Zudem leitet sie den International Directors’ Exchange und engagiert sich in kulturpolitischen Initiativen, die die internationale Sichtbarkeit des Theaters für junges Publikum stärken. Julia Dina Heße hat ihre Dissertation zur ökologischen Nachhaltigkeit in den Narrativen und der Ästhetik des Theaters für junges Publikum abgeschlossen. Ein Teil ihrer Untersuchung widmet sich Leo Kees’ Produktion TRASHedy.

 

Carmen Mehnert – Tanzdramaturgie

Carmen Mehnert ist Dramaturgin mit einem Schwerpunkt an der Schnittstelle von Tanz, Performance und diskursiven Bühnenpraktiken. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und arbeitete unter anderem mit der Volksbühne Berlin und der Schaubühne Berlin. Prägend für ihren beruflichen Weg ist die langjährige Zusammenarbeit mit der Choreografin Constanza Macras und der Compagnie DorkyPark. Mit Leo Kees arbeitete sie bereits als Dramaturgin an Antropmoorfia (Hellerau / Semperoper Dresden), das 2011 im Rahmen der Produktionsförderung von Tanzplan Dresden entstand. Derzeit leitet sie Plan B – Creative Agency for Performing Arts.

 

Sven Stratmann – Video

Sven Stratmann lebt zwischen Münster und Leipzig und arbeitet unter dem Künstlernamen AQUIET als Videokünstler mit den Schwerpunkten Animation, Projektion, Installation, Kamera und Regie. Zu seinen Kooperationen zählen Projekte mit der Oper Graz, dem Theater Regensburg, dem Theater Münster und dem Tiroler Landestheater. Er studierte Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Medienkunst in den Niederlanden und realisiert seit 2008 zahlreiche Arbeiten für freie Produktionen, Staatstheater, Musiktheater, Tanz und audiovisuelle Konzertformate in Deutschland und Europa. Seine Arbeit verbindet visuellen Reichtum, räumliche Komposition und klangliche Sensibilität.

 

Luisa Arndt – Assistenz

Luisa Arndt studierte Kulturanthropologie und arbeitet an der Schnittstelle von Tanz, Performance und wissenschaftlicher Forschung. Seit 2024 unterstützt sie Leo Kees in der Probenarbeit, bei wissenschaftlichen Recherchen und als choreografische Zweitbesetzung. Ihre Verbindung von analytischem Denken und körperlicher Praxis stärkt den Probenprozess sowohl konzeptionell als auch performativ.

 

Emilio Retamal – Sounddesign

Emilio Retamal ist Komponist und Sounddesigner. Seine Arbeit bewegt sich zwischen akustischer Musik, elektronischer Musik und Klangproduktion für Popmusik, Theater, Tanz und audiovisuelle Formate. Seit mehreren Jahren arbeitet er mit Leo Kees an verschiedenen Produktionen zusammen, in denen Klang eine zentrale dramaturgische und rhythmische Funktion übernimmt.

 

David Niederprüm – Technische Leitung

David Niederprüm arbeitet als Bühnentechniker am COMEDIA Theater Köln. Dort begann seine Zusammenarbeit mit Leo Kees bei der Produktion The Food Show!, die er anschließend auch auf Tournee begleitete. 2018 begann er seine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, die er zwischenzeitlich für ein Studium der Medientechnologie unterbrach. Derzeit absolviert er eine Weiterbildung beim WDR in Köln und arbeitet weiterhin als Gasttechniker für verschiedene Produktionen.

 

Karolina Maria Knoll – Produktionsleitung

Karolina Maria Knoll studierte Zeitgenössischen Tanz an der Folkwang Universität der Künste in Essen und arbeitet an der Schnittstelle von Tanzvermittlung, Produktion und Projektmanagement. Unter anderem arbeitete sie mit dem Künstlerduo Montse Gardó Castillo und Petr Hastik an Produktionen zusammen, die am FFT – Forum Freies Theater Düsseldorf gezeigt wurden. Sie lebt in Wuppertal und verfügt über umfassende Kenntnisse der nordrhein-westfälischen Kulturlandschaft, die sie zur idealen Produktionsleiterin für dieses Projekt machen.

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