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Leo
Kees

LEAP  / LERNEN ALS PERFORMANCE

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Kurzbeschreibung

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Unter dem Titel LEAP (kurz für Learning as Performance) möchte ich drei partizipative Formate erproben und erforschen:

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Leseperformances
Physische Lernperformances
Experimentelle Lernperformances

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Das Projekt versteht den Akt des Lernens als eine kollektive Fähigkeit, die in einer vielfältigen und sich verändernden Gesellschaft immer wieder neu geübt werden muss. Die ästhetische Gestaltung – Inszenierung, Bildkomposition und akustisches Arrangement – ist ein integraler Bestandteil dieses Prozesses.

Die Arbeitsweise verbindet künstlerische und wissenschaftliche Recherche mit partizipativer Praxis für ein generationenübergreifendes Publikum.

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Unter den Hashtags  #learnchallenges und #readingchallenge werden soziale Medien gezielt als kuratierter Raum für Reflexion und Kommunikation genutzt.

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Ziel des Projekts ist es, ein nachhaltiges Netzwerk aufzubauen, das Lernen als künstlerische Praxis etabliert.

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Das Projekt ist für unterschiedliche Kontexte konzipiert:

 

Museen, Bibliotheken, Theaterfoyers, Seminarräume, Schulen, Lesesäle und Industrieräume.

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Zugleich ist es darauf angelegt, überregionale und internationale Verbindungen zu schaffen – etwas, das mir im Laufe meiner künstlerischen Laufbahn bereits wiederholt gelungen ist.

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​Einleitung

Ich möchte meiner beruflichen Laufbahn eine neue Richtung geben und mich der Darstellung des Lernens als performativem Akt widmen. Lesen, Üben, Scheitern, Nichtaufgeben, kritisches Denken und Konzentration möchte ich als künstlerische Praktiken in Museen, auf Bühnen und an ungewöhnlichen Orten etablieren.

Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass in einer von sozialen Medien geprägten Zeit die öffentliche Darstellung von Lernprozessen – mit all ihrer Komplexität, ihrer Dauer und ihren oft hohen Anforderungen – von großer Bedeutung ist. Auch kreative Prozesse in Theater und Tanz erfordern wochen- oder monatelange Proben hinter verschlossenen Türen, während am Ende nur das bereits Erprobte – das „fertige“ Produkt – präsentiert wird.

Nach zwanzig Jahren Erfahrung als Regisseur und Choreograf und mehr als zehn Jahren als Gastdozent an der Folkwang Universität der Künste sehe ich im Üben und Experimentieren eine lebensnahe Metapher für das Menschsein selbst.

 

Motivation und Ausgangspunkt

Jeder Mensch, dessen Aussehen, Alter, Vermögen, Gesundheit, Herkunftsland, sexuelle Orientierung, Bildungsstand, Überzeugungen oder IQ nicht einer gesellschaftlich etablierten Norm entspricht, durchläuft einen lebenslangen Lernprozess, um sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden, die ihn direkt oder indirekt als „nicht normal“ einordnet. Während wir bei Olympischen Spielen, im Fußball, bei Modenschauen, wissenschaftlichen Debatten oder Weltklassekonzerten Spitzenleistungen feiern, bleiben andere Prozesse weitgehend unsichtbar: wie viel Arbeit, Frustration, Fehler, Schweiß, Zeit, Ausdauer und – vor allem – Geduld es braucht, etwas Neues zu lernen. Diese Darstellung des Versuchens und Erprobens finde ich äußerst inspirierend und auch im Hinblick auf gesellschaftliche Repräsentation bedeutsam. Das sage ich auch als jemand, der wiederholt nicht in das Konstrukt der Normalität gepasst hat – und der im Nichtaufgeben Kraft, Motivation und sogar eine gewisse Form von „Normalität“ gefunden hat.

 

Ein verlorenes Bild zurückgewinnen

Als ich im Jahr 2000 aus Lateinamerika nach Deutschland kam, schienen Züge, Parks und Wartezimmer von Büchern bevölkert zu sein – etwas, das mich als Bücherliebhaber faszinierte. Heute dominieren in vielen Ländern Bildschirme, laute Handytöne und flüchtige Aufmerksamkeit.

„Learning as Performance“ möchte dieses Bild wieder sichtbar machen – nicht aus Nostalgie, sondern als zeitgenössische, aktive Geste. Menschen vertiefen sich, allein oder gemeinsam: Sie trainieren ihre Konzentration, teilen ihr Nichtwissen, diskutieren Erkenntnisse und verteidigen Fakten.

 

Warum jetzt?

Öffentliche Aufmerksamkeit ist eine knappe Ressource; Wissen ist Gegenstand gesellschaftlicher Polarisierung, und Komplexität wird häufig mit Misstrauen begegnet. Indem das Projekt Lernprozesse öffentlich inszeniert, macht es Zweifel produktiv. Es lädt Menschen dazu ein, ihr Nichtwissen zu benennen, Fragen zu stellen und gemeinsam Fakten zu prüfen.

In einer Zeit, in der Desinformation und Empörungszyklen den öffentlichen Diskurs prägen, setzt sich das Projekt für eine langsame, sichtbare Arbeit am Verstehen ein – als ästhetische Praxis und als zivilgesellschaftliche Haltung.

 

Ästhetik 

Ein Teil der Recherche besteht darin, mit Performanceformaten zu experimentieren, die zwischen sechs und acht Stunden dauern und sich über einen oder mehrere Tage erstrecken. Mit Liebe zum Detail werden Licht, Raum, Abstände, Blickachsen zwischen Lesenden und Zuschauenden sowie die Materialität komponiert und inszeniert.

Inhalt und Form jeder Performance – sprachbasiert oder nonverbal, partizipativ oder solo – werden in Abstimmung mit den jeweiligen Veranstaltenden entwickelt. Jede Performance wird durch hochwertige Fotografien sowie durch Publikationen in Form von Reflexionen, Interviews oder künstlerischen Statements dokumentiert, die gemeinsam mit regionalen Partnern veröffentlicht werden.

 

Drei Formate:

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Leseperformances

Die Leseperformances nehmen zwei Formen an:

– als Soloperformance, die Konzentration, Ausdauer und Vertiefung in den Mittelpunkt stellt,

– und als partizipative Performance, die Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlicher Leseerfahrung zusammenbringt.

Die Ausgangsfrage lautet: „Was sollte ich – oder was sollten wir – hier und jetzt lernen, und warum?“

Jede Performance antwortet auf diese Frage in Form einer Leseperformance.

Im Mittelpunkt steht jeweils ein bestimmtes Thema oder das Werk einer Autorin oder eines Autors. Dazu werden ein oder mehrere Bücher gelesen.

Den Abschluss bildet ein öffentliches Gespräch, in dem die Auseinandersetzung mit dem Thema im Dialog geteilt wird.

 

Physische Lernperformances

In diesem sprachunabhängigen Format werden Lernprozesse als körperliche Praxis erfahrbar – sichtbare Wiederholungen und langsame Fortschritte treten an die Stelle vorgeführter Virtuosität. Es entsteht ein Bilderkanon einer generationenübergreifenden, pluralistischen Gesellschaft, in der Lernen keine pädagogische Pflicht, sondern eine ästhetische Praxis und gesellschaftliche Haltung ist. Ohne der Scham Raum zu geben, dafür mit dem Mut, lernen zu wollen, wird jede Übungsperformance von einer Gruppe durchgeführt, die von einer Lehrperson begleitet wird und deren Mitglieder in der Regel keine Vorerfahrung in der jeweiligen Praxis haben.

Die Beispiele reichen von älteren Menschen, die Videospielen lernen, über Fußballfans, die Gedichte rezitieren, bis hin zu heterogenen Gruppen, die zum ersten Mal mit Kathak, Tango oder Gebärdensprache in Berührung kommen. Jede Übungsperformance widmet sich der Erkundung neuer Formen und Perspektiven.

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Experimentelle Lernperformances

Unter dem Titel „Nehmen wir an, wir wissen nichts“ werden unterschiedliche inszenierte Experimentierformate entwickelt, die untersuchen, wie wir dem Unbekannten begegnen können.

Gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren werden Lernlabore, Denkwerkstätten und Interviews als öffentliche oder halböffentliche Formate inszeniert. Von Ethik bis zur Erderwärmung, von Kolonialismus bis zur künstlichen Intelligenz lauten die Leitfragen dabei stets: „Was sollten wir jetzt lernen, wie und warum?“

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